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Ergebnisse des Kurztests

1. Vortest

Gegenüber der Situation im letzten Jahr war der Sonderpreis des DMMA 2004 ganz sicher ein großer Schritt nach vorn. Es gab viele recht gut zugängliche Einreichungen, einige wirklich vorbildliche Webangebote waren dabei. Die Vorzüge von modernem, an Webstandards orientiertem Design sind angekommen. Besucher mit besonderen Anforderungen brauchen keine Sonderlösungen, ein gut gemachtes Webangebot ist für alle zugänglich.

Aber genug der Schwärmerei. Trotz der geringen Zusatzkosten haben nicht einmal zehn Prozent der Anmeldungen zum DMMA auch beim Sonderpreis Barrierefreiheit mitgemacht. Multimedia: viele Medien sollen genutzt werden, die Botschaft des Webangebotes soll auch bei Leuten ankommen, die nicht oder anders sehen. Da muss noch einiges passieren.

Webangebote des Bundes müssen bis Ende 2005 barrierefrei sein. So ist es wohl nicht überraschend, dass eine Reihe von öffentlichen Webauftritten dabei waren. Aus Sicht der Verordnung zur barrierefreien Informationstechnik (BITV) haben diese Einreichungen nicht schlecht abgeschnitten. Wenn das der allgemeine Stand ist, kann man für Ende 2005 hoffen.

Und es gab auch eine ganze Reihe von Beiträgen, die nicht unter die Verordnung des Bundes fallen. Auch da waren gut zugängliche Webangebote dabei.

Einreichungen, die im Vortest mindestens 90 Punkte erreicht haben, sind in die zweite Stufe gekommen und mit dem Kurztest geprüft worden. Die meisten davon sind für viele Besucher gut zugänglich. Bei einigen hat die Ausweitung des Tests auf 3 Seiten aber doch zu deutlichen Punktabzügen geführt. Zum Teil summieren sich kleinere Mängel. Klar ist aber auch, dass Webangebote mit umfangreichen Datenbeständen sich nicht so leicht barrierefrei machen lassen. Und neu erstellte Webauftritte sind im Vorteil. Sie müssen noch nicht zeigen, dass die Barrierefreiheit auch dauerhaft sichergestellt ist.

Aber das sind Anforderungen, die beim Sonderpreis nicht zu berücksichtigen sind.
Prüfergebnisse zu Einreichungen, die den Vortest überstanden haben, aber nicht über den Kurztest hinaus gekommen sind

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2. Die acht besten Einreichungen

Die folgende Tabelle zeigt die Ergebnisse der acht besten Einreichungen im Kurztest. In der linken Spalte steht der Einreicher und die im folgenden verwendete Kurzbezeichnung des Webauftritts. Die rechte Spalte zeigt das Ergebnis des Kurztests in Punkten.

Ergebnisse Kurztest
Titel Punkte
Aperto AG - Styleguide der Bundeswehr 97,5
Aktion Mensch e.V. - Einfach für Alle 97,5
Maximilian von Gerdtell - Sprechnetz 96
Netbank AG - Netbank 94,5
Atelier für Gestaltung Papenfuss - Nationalpark Hainich 94,5
informedia GmbH - BMBF 93,5
Angie Radtke Der Auftritt - Welthungerhilfe 93
Mehrkanal GmbH - Mehrkanal 90,5

Der Styleguide und Einfach für Alle liegen mit 97,5 von 100 möglichen Punkten vorn, das ist schon sehr gut. Aber auch die anderen Ergebnisse sind nicht schlecht. Alle Einreichungen orientieren sich an Webstandards, alle Einreichungen unternehmen auch teilweise erhebliche Anstrengungen für die Unterstützung von Besuchern mit besonderen Anforderungen.

Viele Anforderungen der BITV sind erfüllt, entsprechend erreichen die acht Einreichungen im BITV-Kurztest durchweg relativ gute Ergebnisse. Wo liegen die Schwächen?

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3. Hindernisse für blinde Besucher

Für Besucher, die mit der grafischen Oberfläche nichts anfangen können, müssen die Inhalte der Seiten auch in Textform zur Verfügung stehen. Denn dann kann man sie sich vorlesen lassen oder auf anderen Ausgabegeräten ohne großen Bildschirm anzeigen.

Grafische Bedienelemente müssen mit Alternativtexten versehen sein, die das Ziel des Links oder die Funktion hinter der Schaltfläche bezeichnen. Das ist eine ganz elementare Forderung, die daher auch weitgehend erfüllt ist. Es gibt aber Grenzfälle, in denen nicht so klar ist, ob der Alternativtext gebraucht wird oder ob er eher stört.

Einfach für alle hat den Alternativtext für das verlinkte Logo der Aktion Mensch weggelassen. Das ist gut für den Redefluss, denn direkt darunter kommt gleich die Anschrift. "Aktion Mensch" würde also zwei mal vorgelesen, wenn das Alt-Attribut zum Logo nicht leer wäre. Aber jetzt fehlt dem Link die Angabe des Ziels und das soll nun auch nicht sein.

Der Styleguide geht in die umgekehrte Richtung. Zum Beispiel auf der Startseite: da ist ein kleines Druckersymbol abgebildet und daneben steht noch mal der Textlink "Drucken". So weit so gut. Aber warum muss im Alternativtext zum Bild das Ziel des Links ein zweites mal genannt werden? Zwei Links zum selben Ziel, direkt hintereinander: das muss nicht sein!

Gut, das ist eher ein Schönheitsfehler. Schon schwerwiegender ein anderer Mangel, auf Seite 2 des Styleguides gut zu sehen.

Abgebildet wird ein Soldat, der auf einer Landebahn steht:

Ausschnitt mit Bild: Soldat auf Landebahn

Der Alternativtext: "Soldat auf Landebahn".

Das Bild verweist auf eine Seite, auf der es um "regionale Wiederaufbauteams in Afghanistan" geht. Über dem Bild ist eine entsprechende Überschrift angeordnet, die ebenfalls auf diese Seite verweist.

Was passiert jetzt, wenn der Besucher sich die Links auf der Seite vorlesen oder anzeigen lässt? Der Link zum regionalen Aufbauteam taucht zwei mal auf, einmal mit der korrekten Bezeichnung des Ziels und ein zweites mal mit der unsinnigen Bezeichnung "Soldat auf Landebahn" als Linkziel. Als Bedienelement ist das Bild überflüssig und störend, der Alternativtext müsste aus dieser Sicht leer bleiben.

Aber ein leeres Alt-Attribut ist im Grunde auch nicht akzeptabel. Denn das Bild ist nicht bloß beliebige Dekoration, der Text soll sagen, was da zu sehen ist. So werden also zwei Anforderungen an den Alternativtext gestellt, die sich nicht vereinbaren lassen.

Was wäre die Lösung?

Der Styleguide müsste auf die Verlinkung des Bildes verzichten: das wäre die einfachste Lösung. Sicher, visuell orientierte Besucher sind daran gewöhnt, dass sie per Klick auf das Bild weiter kommen. Aber gilt die Doppeldeutigkeit des Bildes nicht auch für sie? Was passiert denn, wenn der Besucher auf das Bild klickt? Wird dann tatsächlich die gewünschte Seite zum Wiederaufbau abgerufen? Oder erscheint der Kamerad in Großaufnahme?

Man kann mit solchen kleinen Unklarheiten wohl leben. Aber sie müssen nicht sein. Bilder, die einen eigenständigen Inhalt haben und nicht das Ziel des Links zeigen, deren Alternativtext also auch nicht leer bleiben kann, sollten nicht verlinkt werden.

Aber das war es dann auch schon fast, was die Anforderungen blinder Besucher betrifft. Gelegentlich sind die Alternativtexte auch nicht wirklich alternativ, sondern eher ergänzend.

Zum Beispiel beim Nationalpark Hainich:

Ausschnitt mit Bild: gelbe Blume

"Blühende Buschwindröschen im Hainich" steht im Alternativtext. Na gut, vielleicht gibt es Besucher, die wissen, dass es sich bei diesen abgebildeten gelben Blumen um Buschwindröschen handelt. Aber woran sieht man, dass die im Hainich wachsen? Der Text soll keine ergänzenden Infos bringen, sondern für das Bild stehen!

Oder bei der Welthungerhilfe. Auf der Startseite ist eine Frau mit einem Kind auf dem Arm abgebildet:

Ausschnitt mit Bild: Frau mit Kind

"Schwangerenberatung in Indien" steht im Alternativtext. Ist die Frau schwanger? Oder berät sie? Wenn man die eigentliche Zweckbestimmung des Alternativtextes nimmt, dann sind solche Texte ganz klar falsch.

Zustande kommen sie aus zwei Gründen.

Zunächst mal ist es ja so, dass der Microsoft Internet Explorer die Alternativtexte auch dem sehenden Besucher anzeigt, wenn er mit der Maus über das Bild geht. Und darauf sind die Texte im Grunde abgestimmt. Der Alternativtext ersetzt das Bild nicht, sondern er ergänzt es. Bild und Alternativtext spielen zusammen.

Und dann kommt auch immer wieder die Frage auf, was ein blinder Besucher mit dem beschreibenden Alternativtext "Frau mit Kind" eigentlich anfangen soll. Sicher kann man sich Situationen vorstellen, in denen so ein beschreibender Alternativtext irgendwie nützlich ist. Der blinde Besucher weiß, wovon seine sehenden Kollegen sprechen, wenn es um den Inhalt der Seite geht, vielleicht ist das einmal wichtig. Aber Zweifel bleibt.

So viel zu Fragen des richtigen Gebrauchs von Alternativtexten für Abbildungen. Über einiges kann man streiten, es ist vielleicht noch nicht so klar. Insgesamt muss man aber sagen: Hindernisse für blinde Besucher sind vorhanden. Einige dieser Hindernisse können lästig sein und sie sollten behoben werden. Schwerwiegend sind sie jedenfalls alle nicht.

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4. Hindernisse für Besucher, die nicht gut sehen

Besucher, die nicht blind sind treffen dagegen bei einigen Einreichungen auf nicht oder schwer zu überwindende Hindernisse.

Das sind zum Beispiel Besucher, die mit bestimmten Farben oder Farbkombinationen Probleme haben. Sie ändern Farben, wechseln zum Beispiel in den unter Windows mit der Tastenkombination Shift-Alt-Druck einschaltbaren (und auch wieder ausschaltbaren) Kontrastmodus.

Grafiken sollten daher vor wechselndem Hintergrund erkennbar sein. Vier der acht besten Einreichungen erfüllen diese Anforderung nicht. Und es sind nicht nur kleine Beigaben, die bei falscher Wahl der Hintergrundfarbe verschwinden. So sieht zum Beispiel die Startseite von Mehrkanal vor dem falschen Hintergrund aus:

Startseite von Mehrkanal ohne Hintergrund

Man sieht viel freie Fläche im oberen Bereich der Seite. Da sollte eigentlich etwas sein. Der Titel ist weg, navigieren kann man auch nicht mehr.

Oder der Kopfbereich bei Einfach für Alle.

Ausschnitt der Startseite von Einfach für Alle ohne Hintergrund

Da ist oben auch noch Platz. Name und Zweck des Webauftritts werden im Kopfbereich normalerweise abgebildet. Alles weg, wenn man die Hintergrundfarbe anders definiert hat.

Wie kommt es zu solchen Problemen? Vielleicht beachten Webdesigner noch nicht genügend, dass auch die grafische Version der Benutzeroberfläche barrierefrei sein sollte. Barrierefrei ist sie, wenn der Besucher sie an seine besonderen Anforderungen anpassen kann. Und grafische Schriften sind da nun mal nicht so gut, zumal dann, wenn sie wie bei Mehrkanal und Einfach für Alle über den Hintergrund auf die Seite befördert werden.

Die Vergrößerung ist ein anderes wichtiges Thema. Viele, gerade ältere Surfer brauchen etwas größere Schriften. Sie wollen schon die ganz normalen, grafisch aufbereiteten Seiten nutzen. Aber es soll eben alles eine Nummer größer sein. Wie steht es damit?

Überwiegend lassen sich die Schriften bei den 8 "besten" Webangeboten gut vergrößern. Wieder nicht so gut sind da die Mehrkanal-Seiten. Das Angebot ist sicher im Vergleich mit anderen, üblichen Webangeboten gut zugänglich. Aber sehbehinderte Besucher werden wirklich schlecht bedient. In der rechten Spalte sind verschiedene Links für die Kontaktaufnahme zu Mehrkanal angeordnet. Darunter dann vier kleine Bilder, die darauf hinweisen sollen, dass Mehrkanal mit Bobby geprüft worden ist und allen Anforderungen der BITV entspricht:

Ausschnitt mit Kontaktlinks und Prüfsiegel

Was passiert, wenn man die Schrift größer macht? Der Ausschnitt sieht dann so aus:

Ausschnitt mit Kontaktlinks und Prüfsiegel, Schrift groß

Die vielen Prüfsiegel zur Barrierefreiheit sind ironischerweise noch da. Aber die Links zu Mehrkanal sind weg.

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5. Hindernisse für alle Besucher

Andere Anforderungen der BITV zielen nicht so eindeutig auf Besucher mit speziellen Anforderungen. Zum Beispiel die Anforderung 13: Navigationsmechanismen sollen übersichtlich und schlüssig sein, es soll immer klar sein, wo man sich in einem Webangebot gerade befindet. Das ist eigentlich für alle Besucher nützlich, wenn das Webangebot nicht gerade ein Labyrinthspiel ist. Es ist umso wichtiger, je weniger der Besucher sich merken kann und je schwerer es ihm fällt, die Anordnung von Elementen zu überblicken.

Was wird gebraucht für die Orientierung? Der Besucher muss wissen,

  • wo er ist,
  • wohin er sich bewegen kann,
  • woher er kommt und
  • wie er da hin zurück kommt.

Eine dieser vier Anforderungen erledigt der Browser mit seiner Zurück-Schaltfläche. Um die anderen drei muss sich das Webangebot selbst kümmern.

Beim Sprechnetz haben die Prüfer das als nicht erfüllt bewertet und geschrieben, dass die Position in der Site nicht angegeben ist. Mal sehen, ob das stimmt:

Das Sprechnetz hat links eine Spalte mit Navigationselementen. In der Spalte sind übereinander drei bis vier Listen angeordnet. Beim ersten Aufruf von Sprechnetz sieht die obere Liste so aus:

Ausschnitt mit Liste

Über der Liste steht "Inhalt", das bedeutet sicher, dass in der Liste Inhalte angeboten werden. Der siebte Eintrag heißt "Installation", da klicke ich mal.

Eine neue Seite wird geladen, rechts wird ein neuer Text mit der Überschrift "Installation" angezeigt. So weit ist alles ok. Wo bin ich jetzt? Habe ja noch nicht viel gemacht, mich gerade mal einen Klick von der Startseite entfernt. Könnte auf die Zurück-Schaltfläche des Browsers drücken. Aber darum geht es nicht. Prüfen will ich, ob auch die Seite mir sagen kann, wo ich bin.

1. Die zweite Liste in der Navigationsspalte heißt "Position". Da wird mir die Seite wohl meine Position anzeigen. Unten steht zwei mal "Installation, das ist die Seite, auf der ich gerade bin. Darüber steht "Sprechnetz". Das ist sicher die Startseite, von der ich gerade gekommen bin. Ich probiere das mal aus, klicke auf den Eintrag, eine neue Seite wird angezeigt. Nein, das ist nicht die Startseite. Sondern es ist eine andere Seite, die "Sprechnetz Standard" heißt. Speziell mit der Installation hat die Seite auch nichts zu tun. Es geht allgemein um das Sprechnetz, aber wie gesagt: die Startseite, die ich schon kenne, ist es nicht. Im Titel des Listeneintrags lese ich noch, dass ich auf der "oberen Ebene" bin.

2. Schon mal schlecht. Aber es gibt ja eine "Sitemap". Die steht auch in der Liste "Position", als erster Eintrag. Ich klicke drauf. Viele Seiten werden aufgelistet. Was könnte "obere Ebene" sein? Die Seite, auf der ich gerade war, also "Sprechnetz Standard" gehört zur oberen Ebene, das weiß ich ja. Aber die ist in der Liste nicht dabei. Ob irgend eine andere aufgelistete Seite die Startseite ist? Sieht nicht danach aus.

3. Zwei Schritte habe ich gemacht und schon hoffnungslos die Orientierung verloren. Komme ich irgendwie zurück zur Startseite? Die Positionsliste bringt nichts, das weiß ich jetzt. Aber da sind ja noch die Schaltknöpfe in der Menüspalte. So sehen sie aus:

Ausschnitt mit Schaltknopf

Runde Knöpfe mit einem doppelten Pfeil nach oben als Beschriftung. Pfeil nach oben, da geht es wohl zur Startseite. Ich führe den Mauszeiger auf den Schaltknopf. Er reagiert, ändert seine Farbe. Klick und - nichts passiert. Das kann ja wohl nicht sein. Mal die anderen beiden Knöpfe ausprobieren.

Alles nur Dekoration!

Langer Rede kurzer Sinn: Es gibt Erwartungen des Besuchers. Der Besucher war schon auf anderen Webseiten. Er weiß, wie Bedienelemente aussehen. Er weiß, dass Links unterstrichen sind. Er weiß, was ein Pfeil nach oben bedeutet. Oder wie Startseiten normalerweise genannt werden. Manche dieser Gewohnheitsregeln sind vielleicht fragwürdig. Aber jede Abweichung, jeder Bruch mit bekannten Regeln muss wohl begründet sein. Denn erst einmal ist die Orientierung erschwert.

Letzte Änderung: 22.11.2004   |   © 2004-2007 DIAS GmbH   |   Impressum   |   Barrierefrei