In Teil 1 der Halbjahresbilanz wurden die Ergebnisse von 24 Tests der Woche vorgestellt.
In Teil 2 ging es um die Ergebnisse von 116 zusätzlichen Vortests.
Teil 3 bespricht das unterschiedliche Abschneiden von Ministerien, Behörden, Versicherungen und anderen der Verordnung unterliegenden Einrichtungen.
Übersicht:
Geprüft wurden die 19 auf www.bund.de gelisteten obersten Bundesbehörden: Webangebote der Ministerien, der Bundesregierung, des Bundespräsidialamts, des Bundesrechnungshofs und der Bundeskanzlerin.
Nach wie vor vorbildlich ist das im DMMA 2005 ausgezeichnete Verteidigungsministerium. Gegenüber dem Ministerientest von Ende 2004 deutlich verbessert ist das Webangebot des Auswärtigen Amtes. Relativ gut sind auch die Ergebnisse des Justizministeriums und des Bundespräsidialamtes.
Darunter ein breites Mittelfeld von Ministerien, die schon einiges für die Barrierefreiheit getan haben, aber noch nicht als durchgängig gut zugänglich bezeichnet werden können. In den Vortests erfasste Schwachstellen sind hier die Standardkonformität (Validität, Verzicht auf Layouttabellen) und die Strukturierung der Inhalte.
Schlusslicht ist das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Schriftgrafiken und teilweise nicht gute Alternativtexte schränken die Zugänglichkeit ein.
Geprüft wurden 46 auf www.bund.de gelistete obere Bundesbehörden. Insgesamt ist das Ergebnis etwas schlechter, als bei den Ministerien.
Positiv hervorzuheben sind das Bundessprachenamt sowie die Bundesämter für Wehrtechnik und Beschaffung, Bauwesen und Raumordnung und Naturschutz.
Wie bei den Ministerien gibt es auch bei den oberen Bundesbehörden eine große Zahl von Angeboten mit eingeschränkter Zugänglichkeit. Schwachstellen auch hier: die Standardkonformität und die Strukturierung der Inhalte.
Deutlich größer, als bei den Ministerien ist die Zahl der Webangebote mit erheblich eingeschränkter Zugänglichkeit. Zu nennen sind die Bundesanstalt für Gewässerkunde, die Bundesanstalt für Wasserbau, das Bundesarchiv, das statistische Bundesamt, das Bundesamt für Strahlenschutz, das Bundeskriminalamt und das Bundessortenamt. Ein Hauptmangel dieser 7 Angebote: die Schrift lässt sich im Internet Explorer nicht vergrößern. Ganz schlecht sind die Ergebnisse des Bundesamts für Seeschiffahrt und Hydrographie und des Bundesversicherungsamtes. Ohne Stylesheets und ohne Javascript nicht benutzbar, nicht tastaturbedienbar.
Immerhin vier dieser neun schlecht zugänglichen Webangebote schätzen ihre Barrierefreiheit übrigens selbst gut ein. Das Bundesamts für Seeschiffahrt und Hydrographie
... hat sich intensiv mit der Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz (BITV) auseinandergesetzt und sie so weit wie möglich umgesetzt.
Und die Bundesanstalt für Wasserbau schreibt:
Mit der Einhaltung aller oben aufgeführten Standards, insbesondere der Einhaltung der WAI-Richtlinien Stufe AA, entsprechen die Seiten der Website www.baw.de den Anforderungen der Priorität I der Barrierefreien Informationstechnik Verordnung (BITV).
Insgesamt 17 sonstige Behörden wurden geprüft, darunter 12 Anstalten öffentlichen Rechts. Einen sehr guten Eindruck macht hier das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI). Ebenfalls positiv: die Bundesstelle für Informationstechnik. Im Test der Woche vom 24.01.2006 wurden 85,5 Punkte erreicht und mittlerweile wurde an einigen Stellen nachgebessert.
Schlecht zugänglich sind die Webauftritte der Bundesanstalt für Post und Telekommunikation und der KfW-Bankengruppe. Viele Schriftgrafiken, eingeschränkte Tastaturbedienbarkeit, bei der KfW lässt sich außerdem die Schrift im Internet Explorer nicht vergrößern.
Die meisten gesetzlichen Krankenkassen fallen in den Geltungsbereich der BITV. Ausgenommen sind nur die AOK und Betriebskrankenkassen, die nicht länderübergreifend aktiv sind. Insgesamt 22 Krankenkassen wurden geprüft. Der Anteil der als "schlecht zugänglich" bewerteten Angebote ist hier deutlich höher, als bei den Behörden. Jedes zweite Angebot ist schlecht zugänglich.
Sehr unterschiedlich sind die Ergebnisse der 10 Ersatzkassen. Spitzenreiter ist die im Test der Woche vom 18.04.2006 vorgestellte, sehr gut zugängliche Barmer Ersatzkasse. Relativ gut auch die Techniker Krankenkasse (Test der Woche vom 09.05.2006) und die gegenüber dem Test der Woche vom 23.05.2006 deutlich verbesserte DAK.
Die Hamburg-Münchner Krankenkasse wurde schon im Juni 2005 im Test der Woche vorgestellt. Der Webauftritt weist nach wie vor grobe Mängel auf, unter anderem ist er im Internet Explorer nicht per Tastatur bedienbar.
Ebenfalls negativ: die Ergebnisse der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH), der Hanseatischen Krankenkasse (HEK) und der Handelskrankenkasse (HKK). Bei allen drei lässt sich die Schrift im Internet Explorer nicht vergrößern, Hanseatische und Handelskrankenkasse sind nicht linearisierbar, die Handelskrankenkasse ist zudem ohne Javascript nur eingeschränkt zu bedienen.
Auch die über 100 länderübergreifenden Betriebskrankenkassen unterliegen der BITV. Zehn große Kassen wurden für den Test ausgewählt. Erstaunlich: die größten sind am schlechtesten zugänglich.
Negativer Spitzenreiter ist die Taunus BKK: nicht linearisierbar, Schrift nicht vergrößerbar, Schriftgrafiken, nicht tatstaturbedienbar, Alternativtexte schlecht oder fehlend, Animationen, nicht ohne Javascript nutzbar, dazu noch eine Spezialversion für Behinderte. Kaum besser: die im Test der Woche vom 04.04.2006 vorgestellte Deutsche BKK. Ebenfalls schlecht zugänglich sind die im Test der Woche vom 11.04.2006 besprochene Mobil Oil und die Siemens BKK. Vier der fünf nach Zahl der Mitglieder größten Betriebskrankenkassen erfüllen also ihre gesetzliche Verpflichtung nicht. Das ist schon ein erstaunliches Ergebnis.
Dass es auch anders geht zeigen die gut zugängliche Bahn BKK und die mhplus. Auf einem positiven Weg ist auch die kleinere Bertelsmann BKK. Viele der im Test der Woche vom 25.04.2006 festgestellten Mängel sind mittlerweile behoben.
Zwei Webangebote von Innungskrankenkassen wurden geprüft. Ein schlechtes Ergebnis hat der Webauftritt des Bundesverbandes der IKK (Test der Woche vom 11.07.2006), besser abgeschnitten hat die Vereinigte IKK.
Bislang nur mittelmäßig ist die Zugänglichkeit der Deutschen Rentenversicherung.
Schon mehrmals, zuletzt im Test der Woche vom 31.01.2006 eingehend geprüft wurde das eingeschränkt zugängliche Webangebot der Arbeitsagentur. Die Hauptmängel liegen im Bereich der Orientierung und Navigation, das Angebot ist unübersichtlich. Schade, dass bei so einem wichtigen Webangebot keine Verbesserungen möglich sind.
Schließlich die drei größten Berufsgenossenschaften: noch am besten die im Test der Woche vom 16.05.2006 mit 79 Punkten bewertete Verwaltungs-Berufsgenossenschaft, deutlich schlechter sind die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten und die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege.
Mit mittlerem bis gutem Ergebnis getestet wurden drei Universitäten des Bundes, nämlich die Bundeswehruniversitäten von Hamburg und München sowie die im Test der Wochen vom 27.06.2006 vorgestellte Fachhochschule des Bundes für Verwaltung.
Schlecht zugänglich dagegen die Webangebote des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, der Bundesrechtsanwaltskammer und des Bundesinstituts für Berufsbildung.
Schon relativ weit gediehen ist die Umsetzung der BITV bei den obersten Bundesbehörden. Nur ein einziges Ministerium fällt etwas ab.
Nicht so gut ist der Stand bei den oberen Bundesämtern. 15 der 46 geprüften Webangebote sind schlecht zugänglich.
Wie schon bei der Auswertung der Tests der Woche angesprochen: erheblicher Handlungsbedarf besteht bei den Krankenkassen. Daß jede zweite gesetzliche Krankenkasse schlecht zugänglich ist, kann nicht akzeptiert werden.
Durchgängig, auch bei fast allen Ministerien und Bundesämtern verbesserungsbedürftig ist die von der Darstellung unabhängige Strukturierung der Inhalte. Bei umfangreichen Webangeboten ist das sicher eine schwierige Aufgabe, denn sie betrifft auch die laufende Pflege der Inhalte, die Redaktion und das Redaktionssystem müssen ihren Beitrag leisten.
Aber verantwortlich für die Barrierefreiheit seiner Webangebote ist allein das Ministerium oder das Amt. Es muß seine Redakteure qualifizieren und die Zulieferer in die Pflicht nehmen.
Letzte Änderung: 19.10.2007 | © 2004-2007 DIAS GmbH | Impressum | Barrierefrei