Die Nationale Koordinationsstelle Tourismus für Alle (NatKo) ist der zentrale Ansprechpartner für barrierefreien Tourismus in Deutschland.
Im Vordergrund steht da die bauliche Zugänglichkeit, also der stufenlose Zugang, Durchgangsbreiten und Bewegungsflächen. Aber auch die barrierefreie Information gehört dazu. Touristisch relevante Informationen zu Übernachtungsmöglichkeiten, Konferenzräumen, Reiseveranstaltern sollen für alle zugänglich sein.
Ist der eigene Webauftritt der NatKo hier vorbildlich?

Links im Fließtext sind durch vorangestellte Pfeilchen gekennzeichnet. Jedenfalls im Firefox. Denn der Internet Explorer unterstützt die eingesetzte Technik des CSS-generierten Inhalts nicht (content-Eigenschaft in Verbindung mit Pseudo-Elementen wie :before). Für Benutzer dieses Browsers
unterscheiden sich die Links nur anhand ihrer grünen Farbe vom übrigen
grauen Fließtext - problematisch für farbfehlsichtige Menschen, im
Graustufenmodus sind die Links nicht erkennbar.
Auch die Logos der Site und der beauftragten Web-Agentur werden über die content-Eigenschaft als generierter Inhalt eingebunden. Damit ist zumindest im Firefox
ein typisches Problem anderer Bildersetzungstechniken gelöst - nämlich
dass die Grafiken verschwinden, wenn der Benutzer ein eigenes
Farbschema definiert. Auf den NatKo-Seiten bleiben sie auch bei
benutzerdefinierten Farben sichtbar.
Aber im Internet Explorer funktioniert das ja nicht. Hier wird daher eine Fallbacklösung eingesetzt: Die Grafiken werden als Hintergrundbilder eingebunden. Für Benutzer mit eigenem Farbschema sind sie also nicht sichtbar. Die sehen ersatzweise einen hinter dem Bild versteckten Text - wie übrigens auch Benutzer, die Javascript ausgeschaltet haben.
Technisch interessant mag diese Lösung sein, gut zu gebrauchen ist sie aber nicht. Denn die versteckten Texte dürfen nicht mehr Platz einnehmen als das Bild. Sie sind also mikroskopisch klein und selbst in dieser unbenutzbaren Größe überlagern sich die Wörter beim Logo der Agentur. Vergrößern bringt auch nichts, denn dann wird das abgeschnitten, was nicht in den von der Bildgröße vorgegebenen Kasten passt.
Warum werden diese komplizierten Techniken eingesetzt? Barrierefrei sind sie nicht, ein Vorteil für den Nutzer ist nicht erkennbar.
Im Kopfbereich jeder Seite befindet sich die mit CSS versteckte h2-Überschrift "Unser Ziel: Reisen ohne Barrieren muss selbstverständlich werden - für Menschen mit und ohne Handicap".
Nützlich sind unsichtbare Überschriften als Ersatz für die Anordnung von Inhalten auf dem Bildschirm: Wer nicht sehen kann, dass Inhalte in Spalten oder Kästen zusammengestellt sind, kann sich anhand von Überschriften wie "Menü", "Hauptinhalt" oder "Infokasten" orientieren.
Aber was macht es für einen Sinn, gewöhnliche Inhalte zu verstecken? Der sehende Nutzer braucht diese Information über das Ziel der NatKo offenbar nicht, weshalb werden dann Screenreaderbenutzer auf jeder Seite damit behelligt?
Im Fußbereich jeder Seite ist das Agenturlogo angebracht. Für blinde Benutzer wird eine Textalternative angeboten: "Barrierefreies Webdesign". Das ist irreführend, die Textalternative informiert nicht über das Ziel des Links, sondern sie platziert Stichwörter, die aus Sicht der Agentur im Hinblick auf Suchmaschinen vorteilhaft sind.
Es gibt eine Reihe von PDF-Dokumenten ohne HTML-Alternativen. Unverständlicherweise wird auch die einfache Textversion einer grafisch aufbereiteten PDF-Broschüre nicht im HTML-, sondern im PDF-Format angeboten.
Die Sitemap ist in der zweiten Menü-Ebene unter "Wir über uns" schwer zu finden.
Bei der Prüfung wurden insbesondere im Internet Explorer einige Zugänglichkeitsprobleme gefunden. Die meisten Mängel sind aber nicht gravierend, das Webangebot ist gut zugänglich.
Getestet von: Darius Nikolaus Krupinski,
BIK-Beratungsstelle Hannover
Internetadresse:
http://www.natko.de
Testergebnis: 91,5 von 100 Punkten
Testbericht mit allen Einzelbewertungen auf bitvtest.de
Die NatKo hat sehr schnell reagiert und folgende Mängel behoben:
Die
Textalternative für das Agentur-Logo im Fuß lautet jetzt "zur Agentur
für Barrierefreies Webdesign" und trägt den ergänzenden title-Text "Externer Link: Internetseiten erstellt durch anatom5 perception marketing".
Bisher scheint dies einer der besseren Tests der Woche zu sein, auch wenn kleinere Probleme auftreten, zumindest mit dem Internet Explorer. Der Text zum Test legt jedoch nahe, dass die getestete Seite wirklich schlecht ist und das kann ich (55 Jahre, stark sehbehindert, benutze selbst Opera 8.5 und manchmal Sprachausgabe) aus eigener Erfahrung nicht stützen. Im Vergleich zu anderen Tests, die schlechter abgeschnitten haben, scheint mir der Bericht zu negativ. So wird den Verantwortlichen meines Erachtens jeder Mut genommen, Änderungen herbeizuführen. Das war bei vorangegangenen Tests besser, ermutigender. Vielleicht ist das aber auch "typisch deutsch", denn im Schlechtreden sind wir wirklich Weltmeister.
Kleine Anmerkung noch aus eigener Sicht: Scheinbar hat man bei NatKo nachgebessert, denn viele Kritikpunkte konnte ich nicht mehr finden. Vielleicht ist das ja ein Ansatzpunkt, um einen positiveren Ansatz zu finden.
Viele Grüße aus Leipzig,
Holger Burmeister
Hallo Herr Burmeister,
der Webauftritt der NatKo ist (auch nach Punkten) ganz klar gut zugänglich, wenn man die Verbesserungen berücksichtigt sogar sehr gut. Die beiden Techniken, auf die wir näher eingegangen sind, haben bei der Natko auch keine gravierenden Auswirkungen.
Vor allem die Verknüpfung von Suchmaschinenoptimierung und Auszeichnung für blinde Nutzer ist unserer Ansicht nach aber problematisch. Im Einzelfall ist sie kein großes Hindernis. Aber stellen Sie sich mal vor, was passieren würde, wenn Alternativtexte und unsichtbare Überschriften allgemein so verwendet würden. Das würde schnell dazu führen, dass die eigentliche "Bedeutung" dieser Elemente praktisch keine Gültigkeit mehr hat, sie wären unbrauchbar. Deswegen sind wir so ausführlich darauf eingegangen.
Viele Grüße,
das BIK-Team
Letzte Änderung: 01.11.2005 | © 2004-2007 DIAS GmbH | Impressum | Barrierefrei