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Warum ist das wichtig?

Im Verzeichnis der Prüfschritte ist für alle Prüfschritte angegeben, weshalb ihre Einhaltung wichtig ist. In diesem Abschnitt greifen wir einige Anforderungen heraus, die bei den getesteten Zeitungen und Magazinen besonders häufig nicht erfüllt waren:


1. Alternativtexte für Grafiken und Bilder

Informative Grafiken und Bilder müssen mit Alternativtexten versehen werden. Diese Texte werden angezeigt, wenn die Bilder nicht zur Verfügung stehen.

Warum ist das wichtig?

Für blinde Benutzer oder für Benutzer von einfachen Textbrowsern sind Grafiken nicht zugänglich. Auch für den PDA oder ähnliche Geräte mit sehr kleinem Bildschirm sind Grafiken problematisch. Früher haben viele Leute auch die Grafiken absichtlich ausgeschaltet, weil dann die Seiten schneller übertragen werden. Auch heute noch kann das Sinn machen, zum Beispiel, wenn man unterwegs ist und Seiten über eine langsame oder teure Funkverbindung abrufen will.

Die Seiten sollen also auch ohne Bilder zu nutzen sein. Es soll klar sein, wofür Bilder auf der Seite stehen und wohin als Grafiken ausgeführte Bedienelemente führen. Dafür wird der Alternativtext gebraucht. Er soll die Grafik ersetzen.

Was ist beim Test herausgekommen?

Bei relativ vielen Webauftritten sind Bilder mit Alternativtexten versehen. Dennoch ist der Prüfschritt überwiegend als nicht oder nur teilweise erfüllt bewertet worden. Nur für zwei Webauftritte ist die Anforderung als erfüllt bewertet worden.

Der Grund: die eingetragenen Alternativtexte sind nicht wirklich alternativ. Sie werden automatisch aus anderen Texten, zum Beispiel aus der Bildüberschrift, gebildet. Oder sie werden für Zusatzinformationen genutzt, zum Beispiel für die Angabe des Copyrights oder der Bildquelle. Hier macht sich die mangelhafte Unterstützung der Alternativtexte durch den Microsoft Internet Explorer bemerkbar. Dieser Browser zeigt die Alternativtexte auch dann an, wenn die Bilder nicht ausgeschaltet sind und unterstützt so den Missbrauch des Alternativtextes für ergänzende Angaben.

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2. Leere Alt-Attribute für Layoutgrafiken

Viele Grafiken haben keinen Informationsgehalt. Zum Beispiel Layoutgrafiken wie Abstandhalter, Farbflächen oder Muster: es macht keinen Sinn, ihren Inhalt in Worte zu fassen, sie benötigen keinen Alternativtext. Solche Grafiken sollen mit einem leeren ALT-Attribut (ALT="") ausgezeichnet werden.

Warum ist das wichtig?

Oft wird nicht verstanden, warum das leere Alt-Attribut wichtig ist. Warum soll man es nicht gleich ganz weglassen, wenn zum Bild nichts zu sagen ist?

Der entscheidende Punkt ist, dass genau das die Botschaft des leeren Alt-Attributs ist: zu diesem Bild gibt es nichts zu sagen, der Besucher verpasst nichts, wenn er es nicht sehen kann.

Deswegen behandelt ein Screenreader leere Alt-Attribute auch ganz anders. Bilder mit leerem Alt-Attribut ignoriert er einfach. Wenn aber überhaupt kein Attribut da ist, geht das nicht. Denn das Bild könnte ja wichtig sein. Daher liest der Screenreader den Namen der Bilddatei vor. Dieser Name liefert ja ganz häufig einen Anhaltspunkt für die Bedeutung des Bildes.

Was heißt das praktisch? Wenn die leeren Alt-Attribute fehlen, liest der Screenreader dem blinden Besucher endlose Listen mit überflüssigen Bilddateinamen vor. Die Nutzung der Seite ist erheblich beeinträchtigt.

Was ist beim Test herausgekommen?

Nur bei der Frankfurter Rundschau sind Layoutgrafiken durchgängig mit dem korrekten Attribut ausgezeichnet. Der Stern kann wegen seines modernen Designkonzepts auf Layoutgrafiken verzichten, leere Alt-Attribute werden nicht gebraucht.

Bei allen anderen Kandidaten ist die Anforderung nicht oder nur teilweise erfüllt.

Bei der Süddeutschen wird anscheinend automatisch ein leerer Alternativtext vergeben, wenn die Redaktion keinen Text angegeben hat. Das ist natürlich ganz schlecht, denn es sorgt dafür, dass die Aussagekraft leerer Alt-Attribute beschädigt wird. Man kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass die Grafik unwichtig ist, die Arbeit, die sich andere Webanbieter gemacht haben, wird entwertet.

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3. Verzicht auf Schriftgrafiken

Grafiken sollen nicht für die Darstellung von Schriften verwendet werden.

Warum ist das wichtig?

Der große Vorteil des Web gegenüber den gedruckten Medien ist die variable Form. Texte können in der Größe, in der Farbe oder in der Gestalt angepasst werden. Oder man kann sie sich mit speziellen Geräten vorlesen lassen.

Aber das geht natürlich nur mit "echten" Texten. Schriftgrafiken können nicht oder nur ganz eingeschränkt an Benutzeranforderungen angepasst werden. Die Farben kann man nicht individuell einstellen, auch die individuelle Anpassung der Schriftgröße wirkt nicht auf grafische Schriften.

Was ist beim Test herausgekommen?

Fast alle geprüften Zeitungen verwenden grafische Schriften. Nur der Stern, die Frankfurter Rundschau und der österreichische Standard verzichten auf ihren Einsatz. Wobei die Logos übrigens im Test generell nicht berücksichtigt wurden. Das Logo ist ja häufig vorgegeben und nicht veränderbar. Seine Gestaltung liegt nicht in der Verantwortung des Webdesigners, die Verwendung von Schriftgrafiken für das Logo wurde daher nicht negativ bewertet.

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4. Schriftgröße variabel

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Größe von Schriften auf einer Webseite festzulegen. Eine dieser Möglichkeiten ist die Festlegung der Größe in Pixeln (Bildschirmpunkten). Im Microsoft Internet Explorer kann man die Größe von in Pixeln definierten Schriften nicht verändern. Daher soll diese Größenangabe für Schriften nicht verwendet werden.

Warum ist das wichtig?

Stark sehbehinderte Besucher schalten häufig die vom Anbieter vorgegebene Schriftgröße komplett aus und lassen sich alles in einer für sie hinreichenden, sehr großen Schrift anzeigen. Für sie ist es meist gar nicht so wichtig, dass man die Schrift auch mit den normalen "Bordmitteln" des Microsoft Internet Explorer vergrößern (oder verkleinern) kann.

Wichtig ist die variable Schriftgröße vor allem für die vielen älteren Besucher mit eher geringerer Beeinträchtigung der Sehkraft. Sie können nicht mehr so gut sehen, die Schrift ist etwas zu klein.

Was ist beim Test herausgekommen?

Das ist sicher eines der erstaunlichsten Ergebnisse des Tests:

Bei keinem einzigen Webauftritt ist die Schriftgröße so ausgezeichnet, dass auch die vielen Besucher mit Microsoft Internet Explorer sie an ihre Bedürfnisse anpassen können.

Nur beim Spiegel und der WELT ist die Anforderung wenigstens teilweise erfüllt. Gut, eigentlich wäre es Sache des Browsers, die Schriftgröße variabel zu machen. Moderne Browser machen das auch, sie kümmern sich da nicht um die Vorgaben der Seite. Aber wissen die Zeitungen denn nicht, dass der mit Abstand verbreitetste Browser da mangelhaft ist? Oder sollen Besucher, die eine etwas größere Schrift bevorzugen, von den Seiten ferngehalten werden? Ist den Redakteuren nicht klar, dass auch ihre Leser älter werden? Das ist wirklich nicht zu verstehen ...

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5. Auszeichnung von Überschriften und Listen

Für Überschriften und Listen sollen spezielle Auszeichnungen verwendet werden. Auch die Überschriften für Zeilen und Spalten von Datentabellen sollen mit den dafür vorgesehenen Elementen ausgezeichnet werden.

Warum ist das wichtig?

Für sehende Besucher ist klar, wo die Überschriften sind. Die Überschriften sind größer, sie haben eine andere Schrift oder sie sind durch die Farbe hervorgehoben. Blinde oder stark sehbehinderte Besucher können mit solchen optischen Merkmalen nichts anfangen. Um Überschriften wahrnehmen zu können, brauchen sie "logische", im Quelltext der Seite versteckte Auszeichnungen.

Das ist aber noch nicht alles. Die Überschriften gliedern ja auch den Inhalt der Seite. Wenn sie richtig ausgezeichnet sind, kann ein blinder Besucher sie nutzen, um gezielt bestimmte Bereiche der Seite anzusteuern.

Bei Tabellen sind die Auszeichnungen aus einem ganz ähnlichen Grund wichtig. Und zwar für Besucher, die den Inhalt nicht im Überblick wahrnehmen können. Für Blinde gilt das sowieso, aber auch für Leute, die Geräte mit kleinem Bildschirm verwenden und immer nur einen kleinen Ausschnitt der Seite oder der Tabelle angezeigt bekommen. Diese Besucher können sich den Inhalt einer Tabelle nur Zelle für Zelle erschließen. Damit das geht, muss klar sein, welche Überschriften zu einer Zelle gehören. Die Überschriften müssen als solche gekennzeichnet sein.

Wie funktioniert das praktisch? Der Screenreader liest zum Beispiel automatisch die (neue) Zeilen- oder Spaltenüberschrift vor, wenn der Benutzer die Tabellenzeile oder die Tabellenspalte wechselt.

Was ist beim Test herausgekommen?

Nur der Stern zeichnet Überschriften und Listen. Korrekt ausgezeichnete Überschriften findet man noch bei BILD und NZZ, Listen gab es nicht auf allen geprüften Webauftritten.

Um zu sehen, ob auch Tabellen korrekt ausgezeichnet werden, haben wir eine Seite mit Datentabellen in den Test einbezogen. Und zwar die von fast allen "Prüflingen" angebotene Tabelle mit den Ergebnissen der Bundesliga. Nur das Handelsblatt und die TAZ bieten keine Bundesliga-Ergebnisse, da haben wir ersatzweise Seiten mit anderen Tabellen dazugenommen.

Nur in einem einzigen Fall, nämlich in der Kurstabelle des Handelsblattes, sind die Überschriften korrekt ausgezeichnet.

Wie kann das sein? Macht es zu viel Arbeit, die Überschriften entsprechend zu kennzeichnen? Das kann eigentlich nicht sein, denn die Bundesligatabelle wird ja nicht jede Woche neu zusammengebastelt! Die Inhalte wechseln zwar jede Woche, welche Zeilen und Spalten Überschriften enthalten, muss aber nicht jedes Mal neu festgelegt werden.

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6. Blinken und Bewegung

Blinkende oder sich bewegende Elemente sollen nicht verwendet werden.

Warum ist das wichtig?

Viele Benutzer haben Schwierigkeiten, Seiten zu nutzen, die mit flackernden, blinkenden oder sich bewegenden Elementen ausgestattet sind. Solche Elemente ziehen die Aufmerksamkeit des Benutzers auf sich. Das kann stören und lästig sein, für Besucher, die sich nicht gut konzentrieren können, kann es die Nutzung der Seite auch gänzlich ausschließen.

Was ist beim Test herausgekommen?

Nur ein einziger Kandidat, nämlich die WELT, versucht zum Zeitpunkt des Tests nicht, den Leser durch blinkende Werbebotschaften beim Lesen zu stören. Alle anderen Zeitungen und Magazine versehen ihre Seiten mit mehr oder weniger aufdringlichen, blinkenden und sich bewegenden Botschaften.

Die Neue Züricher schreibt uns dazu: "Wir sind, wie die meisten Onlineanbieter, auf Werbeeinnahmen angewiesen. Leider nehmen die Werbeagenturen keine Rücksicht auf die Bedürfnisse von Behinderten, weshalb Flash, Javascript, etc. extensiv eingesetzt werden."

Die Zeitungen brauchen Einnahmen und die Werbeagenturen nehmen keine Rücksicht. Aber entlässt das die Zeitung aus der Verantwortung? Sicher nicht. Denn sie hat entschieden, dass die Zugänglichkeit der Seiten weniger wichtig ist, dass sie zwecks Erzielung von Einnahmen eingeschränkt werden soll.

In vielen Fällen sind auch nicht einmal die fremden Werbebanner am schlimmsten. Der Zeitung selbst ist die Ankündigung einer Neuheit wichtiger als die Lesbarkeit der nebenstehenden Artikel.

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Letzte Änderung: 02.09.2004   |   © 2004-2007 DIAS GmbH   |   Impressum   |   Barrierefrei